Dem Stress begegnen: „Manche Kinder haben in der Kita eine 45-Stunden-Woche.”
Kommentar der Winzig Stiftung: Diese Überschrift wählte Autor Martin Gehr, um seinen Artikel in der Westdeutschen Zeitung über unsere Jubiläumsfeier am 23. September an der Bergischen Universität einzuleiten.
Natürlich ist diese Aussage nicht falsch. Im Vergleich zu früher verbringen Kinder heute mehr Zeit in der Kita: Sie essen gemeinsam zu Mittag, halten Mittagsschlaf und haben Nachmittagsangebote. Nur so ist es möglich, dass beide Elternteile einer Berufstätigkeit nachgehen können.Stress haben aus unserer Sicht zurzeit alle Personengruppen, die mit der Kita in Verbindung stehen. Es sind nicht allein die Eltern, die ihre Kinder in den Augen mancher viel zu lang in die Fremdbetreuung geben. Daneben stehen auch die Erzieherinnen, die systematisch mit viel zu wenig Personal den Alltag mit den Kindern in der Kita verbringen und gestalten. Den verschiedenen Trägern fehlt es zudem sowohl an einer adäquaten Finanzierung als auch an Nachwuchskräften, um die Lücken schließen zu können.
All diese Personengruppen sind gebunden an von Politikern ausgehandelte Regelwerke, an die sich alle halten müssen. Hier ist der gesetzte Rahmen einfach zu eng, sodass die Umsetzung einer guten fachlichen Arbeit unglaublich schwer geworden ist.
Hinter der Politik steht wiederum "die Gesellschaft" - also wir alle -, die die frühe Kindheit allzu oft weniger ernst nimmt als die Sorgen des Alters und die des persönlichen beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommens.
Die Politik wird sich letztlich an der Mehrheitsmeinung orientieren. Darum wird sich die Lage nur ändern, wenn wir die Nöte der kleinen Kinder viel ernster nehmen, als wir es heute gewohnt sind.
Unsere Aufgabe als winzige Winzig Stiftung sehen wir darin, die Erinnerung an gute Arbeit mit kleinen Kindern wach zu halten und die Fachkräfte sowie Eltern hierin zu stärken - oder auch den Weg aus dem Alltagsstress zurück in die so existenziell-notwendige, entspannt-zugewandte Haltung zu finden.
Aber das ist bereits heute ein weiter Weg und braucht leider einiges an finanziellen Mitteln, welche unsere Reichweite immer wieder begrenzen.